Zusammenfassung der Sitzung im Oktober 2012:


AD(H)S und Arbeit

Letzten Monat haben wir ja wieder einmal über das leidige Thema ADS und Arbeit gesprochen. Wie wir gesehen haben, gibt es hier immer wieder Gesprächsbedarf.

 

Einerseits stehen wir vor dem Dilemma, dass der Arbeitgeber die eierlegende Wollmilchsau erwartet, die alles immer sofort macht und auch die nötigen Grundvoraussetzungen mitbringt (20 Jahre, hochqualifiziert, Praxis- und Auslandserfahrung, lückenloser Lebenslauf…). Ein Problem, das natürlich auch andere Arbeitnehmer haben. Bei uns kommt jedoch noch erschwerend hinzu, dass wir sehr umfangreiche Interessen haben, in vielen Bereichen aber nur mit Halbwissen aufwarten können. Außerdem hindert uns das mangelnde Selbstbewusstsein daran, unsere wahren Stärken zu sehen und zu entfalten. Diese Unsicherheit strahlen wir natürlich in allen Lebenslagen aus.

 

Um uns überhaupt klar zu machen, in welche Richtung wir bei der Berufswahl und Jobsuche gehen sollen, ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich eine Liste zu erstellen, in welcher wir eintragen, was wir können, was wir nicht können und auch was wir wollen.

 

Den Job aber dann dazu zu finden, der zu all den Fähigkeiten passt, ist nicht immer einfach, zumal uns die einzelnen Berufsbezeichnungen oft nicht geläufig sind. Als hilfreich erweist sich dabei das Buch zur Studien- und Berufswahl, welches man für etwa 10 € kaufen kann. Sicherlich liegt ein solches auch in den Jobcentren der Arbeitsagenturen aus oder kann in den Stadtbibliotheken eingesehen werden.

 

Hilfreich an diesem Buch ist, dass die einzelnen Berufe genau beschrieben und die Voraussetzungen aufgelistet sind. Vielleicht entdeckt man dabei ungeahnte Möglichkeiten

 

Auch könnten diese Beschreibungen eine Anregung sein, was man sich noch aneignen muss, um einen gewünschten Job zu bekommen. Allerdings sollte man dabei nicht übertreiben, da niemand perfekt ist und wir auch noch die Möglichkeit haben, uns einzelne Fähigkeiten an der Arbeitsstelle selbst aneignen können.

 

Auch unsere oft kindlich-naive Ehrlichkeit hindert uns häufig, die richtige Stelle zu finden. Insbesondere beim Verfassen des Lebenslaufs, der ohnehin meist nicht linear verläuft, stoßen wir daher schnell an unsere Grenzen. Dabei ist es mittlerweile gang und gäbe, mit einigen kosmetischen Tricks diesen zu schönen und den allgemeinen Anforderungen anzupassen.

 

Wenn wir beispielsweise viele verschiedene Arbeiten gemacht haben, zeigt dies zwar einerseits, dass wir sehr vielseitig sind, andererseits aber spiegelt es unser sprunghaftes Wesen wider. Daher ist es nicht verkehrt, diese Dinge wegzulassen und andere Tätigkeiten künstlich zu verlängern (sofern dies mit dem Zeugnis vereinbar ist).

 

Hat man dann tatsächlich den Job bekommen, dann steht man häufig vor dem Problem, dass man Schwierigkeiten mit dem Chef/der Chefin hat (z. B. weil dieser weniger qualifiziert ist als man selbst) oder die lieben Kollegen nicht unbedingt auf jemanden wie uns gewartet haben. Das bedeutet, dass man sich kleiner machen muss und nicht selten Opfer von Mobbing wird.

 

Dabei sollten wir uns klar machen, dass wir nicht mit allen Kollegen ein freundschaftliches Verhältnis pflegen müssen. Daher tut es uns nicht schlecht, im Umgang mit besonders unliebsamen Zeitgenossen die entsprechende Ignoranz an den Tag zu legen und uns von deren Meinung abzugrenzen.

 

Was die Qualität unserer Arbeit betrifft, so sollten wir uns immer vor Augen führen, dass ein Haufen anderer Leute es auch nicht besser können, auch wenn sie so tun als ob. Daher sollten wir uns auch zutrauen, Führungsaufgaben zu übernehmen. Auch hier ist es sinnvoll, den leidigen Perfektionismus über Bord zu werfen und Abstriche zu machen. Häufig erreichen wir schon durch Delegieren der einzelnen Aufgaben, dass wir selbst entlastet werden und nicht immer wieder überfordert sind.

 

Solche Arbeitsaufträge können ja auch in Form eines Kompliments weitergegeben werden.

Wie ihr wahrscheinlich schon alle mitbekommen habt, spiegelt der Arbeitsmarkt unsere Gesellschaft wider. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als zu lernen, damit umzugehen. Manchmal helfen da auch Tricks, die Normalos machen es auch nicht anders.

 

Und im Allgemeinen gilt: Nicht immer so streng mit sich selbst sein!!!

ADHS-Selbsthilfegruppe München

Westendstr. 68

80339 München


Selbsthilfezentrum München